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RATGEBER · BERUFSUNFÄHIGKEIT FÜR ÄRZTE

BU für Ärzte trotz Vorerkrankungen: So gehst du bei der Gesundheitsprüfung richtig vor

Eine frühere Psychotherapie, Rückenschmerzen, Migräne, Medikamente oder eine Operation bedeuten nicht automatisch, dass eine BU nicht mehr möglich ist. Entscheidend ist, was tatsächlich vorlag, wann es war und was im konkreten Antrag gefragt wird.

Philipp Gaspar, BU-Experte für Heilberufe

Philipp GasparBU-Experte für Heilberufe

KURZ ERKLÄRT

Kann ich als Ärztin oder Arzt trotz Vorerkrankungen eine BU bekommen?

Eine Vorerkrankung bedeutet nicht automatisch eine Ablehnung. Entscheidend sind der konkrete gesundheitliche Sachverhalt und die tatsächlich gestellten Gesundheitsfragen.

Ob und zu welchen Konditionen Versicherungsschutz möglich ist, lässt sich nicht allein anhand einer Diagnose beantworten. Bei relevanter Gesundheitshistorie würde ich zuerst strukturiert aufarbeiten und die konkreten Gesundheitsfragen prüfen.

ZWEI PERSPEKTIVEN

Medizinische Einordnung und Risikoprüfung: zwei unterschiedliche Perspektiven

Medizinische Einordnung

  • Diagnose und Beschwerden
  • Befunde und Untersuchungen
  • Therapie und Verlauf
  • Heutiger Zustand

Versicherungsmedizinische Risikoprüfung

  • Gesundheitshistorie
  • Konkretes Fragewerk
  • Zu versicherndes Risiko
  • Mögliche Annahmeentscheidung

Als Ärztin oder Arzt kannst du einen Befund medizinisch sehr gut einschätzen. Der Versicherer prüft zusätzlich, welches Risiko er mit dem beantragten Versicherungsschutz übernimmt.

VERGLEICH

Warum Gesundheitsfragen nur im Zusammenhang sinnvoll vergleichbar sind

Fragewerk

Welcher reguläre, vereinfachte oder zielgruppenbezogene Prüfungsweg gilt?

Zeitraum

Wie weit reicht die konkrete Frage zurück?

Wortlaut

Geht es um Beschwerden, Diagnosen, Untersuchungen oder Behandlungen?

Schwellenwert

Ab welcher Dauer oder Häufigkeit wird ein Sachverhalt erfasst?

Ausnahmen

Welche Sachverhalte nimmt die Frage ausdrücklich aus?

Nicht nur die Gesundheitshistorie ist entscheidend. Ebenso wichtig ist, welches konkrete Gesundheitsfragewerk in der jeweiligen Antragssituation tatsächlich gestellt wird.

3, 5 oder 10 Jahre: Fragen zur Psyche im Vergleich

3 Jahre

Canada Life – BU

Im ausgewerteten regulären BU-Fragewerk wird die Psyche im 3-Jahres-Block geführt.

5 Jahre

Allianz – BU

Im ausgewerteten Fragewerk werden Psyche, Gehirn und Nervensystem über fünf Jahre abgefragt.

10 Jahre

Continentale PremiumBU

Im ausgewerteten regulären Fragewerk beträgt der Zeitraum für die Psyche zehn Jahre.

5 Jahre sind nicht gleich 5 Jahre

Allianz

Verschreibungspflichtige Medikamente innerhalb von fünf Jahren, sofern sie über mehr als vier Wochen eingenommen oder angewandt wurden; die Frage nennt Ausnahmen.

Hannoversche – regulär, Stand 04/2026

Medikamente innerhalb von fünf Jahren, wenn die Einnahme länger als zwei Wochen fortdauerte.

VOLKSWOHL BUND – regulär, Stand 06/2026

Medikamente innerhalb von fünf Jahren, wenn sie mehr als 30 Tage täglich oder an mehr als 30 Tagen im Jahr eingenommen wurden.

Gleicher Zeitraum. Unterschiedliche Gesundheitsfragen.

HDI ÄRZTE-ZIELGRUPPENAKTION

Verkürzte Gesundheitsfragen für Ärztinnen und Ärzte

Die HDI bietet für approbierte Ärztinnen und Ärzte einen besonderen Zugang mit stark verkürzten Gesundheitsfragen an. Zu Beginn können maximal 2.500 € monatliche BU-Rente inklusive Bonusrente abgesichert werden.

Wichtig: Diese Ärzte-Aktion ist nicht mit HDI FUTURE 2 Go gleichzusetzen. FUTURE 2 Go ist ein eigenständiger Prüfungsweg mit anderen Voraussetzungen.

Die Gesundheitsfragen im Überblick

Die vereinfachte Gesundheitserklärung konzentriert sich insbesondere auf folgende drei Bereiche:

Tätigkeit und Arbeitsfähigkeit

Gefragt wird unter anderem, ob du in den letzten 2 Jahren länger als 14 Kalendertage durchgehend aus gesundheitlichen Gründen außerstande warst, deine schulische, studentische oder berufliche Tätigkeit auszuüben, oder ob du sie aktuell aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt ausübst.

Eine Einschränkung liegt laut Fragewerk vor, wenn du deine konkrete Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nur noch zu weniger als 50 % der gewöhnlichen Arbeitszeit ausüben kannst.

Bestimmte Erkrankungen

Gefragt wird, ob in den letzten 10 Jahren bestimmte Erkrankungen bestanden oder behandelt wurden – darunter Hirntumor, Krebs, Diabetes, HIV, Multiple Sklerose, Epilepsie, Rheuma, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn oder Schlaganfall.

Erfasst werden außerdem ein derzeit oder in den letzten 10 Jahren zuerkannter Grad der Behinderung (GdB), Grad der Schädigungsfolgen (GdS), eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) oder Berufs- bzw. Erwerbsunfähigkeit sowie ein entsprechender Antrag in den letzten 2 Jahren.

Kardiologie, Psyche und Orthopädie

Gefragt wird, ob du in den letzten 3 Jahren bei einem Kardiologen, Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten beziehungsweise wegen psychischer Beschwerden bei einem Arzt oder bei einem Orthopäden untersucht, beraten oder behandelt wurdest.

Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates wird zusätzlich gefragt, ob in den letzten 3 Jahren mehr als 12 Behandlungen bei Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Osteopathen oder Chiropraktikern verordnet wurden.

ORIGINALAUSZUG

So sehen die Gesundheitsfragen im Original aus

Auszug aus der vereinfachten Gesundheitserklärung der HDI. Der Ausschnitt zeigt die oben zusammengefassten Gesundheitsfragen im Original.

Auszug aus der vereinfachten Gesundheitserklärung der HDI mit Gesundheitsfragen

Verkürzte Gesundheitsfragen sind nicht automatisch die bessere BU.

Vorerkrankungen strukturiert aufbereiten

  1. Beschwerden / Diagnose
  2. Zeitraum
  3. Untersuchungen & Befunde
  4. Behandlung / Therapie
  5. Medikamente & AU-Zeiten
  6. Verlauf
  7. Heutiger Zustand
  8. Erforderliche Unterlagen

Diese Punkte können bei der Vorbereitung helfen. Welche Angaben tatsächlich verlangt werden, richtet sich nach den konkret gestellten Fragen.

BU-GESUNDHEITSCHECK

Checkliste für Vorerkrankungen

10 Punkte, mit denen du deine Gesundheitshistorie strukturiert vorbereitest.

Die Checkliste ist keine Gesundheitserklärung und ersetzt nicht die konkreten Gesundheitsfragen.

BU-Gesundheitscheck herunterladen
Erste Seite des BU-Gesundheitschecks für Ärztinnen und Ärzte

Patientenakte prüfen: erst aufarbeiten, dann gezielt entscheiden

Gesundheitshistorie aufarbeiten und Unterlagen an einen Versicherer übermitteln sind zwei verschiedene Schritte.

Erst verstehen und aufbereiten

Diagnosen, Beschwerden, Behandlungsanlässe und den Verlauf würde ich zunächst strukturiert einordnen. Bei unklaren Einträgen sollte geklärt werden, woher sie stammen und was tatsächlich dokumentiert wurde.

Dann gezielt Unterlagen auswählen

Ich würde nicht automatisch die komplette Patientenakte an einen Versicherer weitergeben. Entscheidend ist, welche Angaben und Unterlagen für die konkret gestellten Gesundheitsfragen tatsächlich benötigt werden.

Bei unklaren Einträgen würde ich insbesondere diese Punkte klären:

  • Quelle
  • Anlass
  • Befund
  • Diagnose
  • Verlauf

Mögliche Ergebnisse der Risikoprüfung

NORMALE BEDINGUNGEN

Annahme zu normalen Bedingungen

Versicherungsschutz ohne zusätzlichen Risikozuschlag oder Leistungsausschluss.

MEHRBEITRAG

Risikozuschlag

Versicherungsschutz ist möglich, allerdings mit einem höheren Beitrag.

AUSSCHLUSS

Leistungsausschluss

Ein konkret vereinbarter Bereich wird vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

SPÄTERE PRÜFUNG

Zurückstellung

Eine Entscheidung wird zunächst auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

KEIN ANGEBOT

Ablehnung

Der beantragte Versicherungsschutz wird in dieser Form nicht angeboten.

Welche Entscheidung im Einzelfall getroffen wird, kann aus einer Diagnose allein nicht vorhergesagt werden.

Wann eine anonyme Risikovoranfrage sinnvoll sein kann

Bei relevanten Vorerkrankungen kann sie helfen, Einschätzungen ausgewählter Versicherer vor einer formellen Antragstellung zu vergleichen.

  1. Gesundheitshistorie prüfen

    Relevante Vorerkrankungen, Beschwerden und Behandlungen zunächst strukturiert erfassen.

  2. Gesundheitsfragen vergleichen

    Prüfen, welche Zeiträume und konkreten Fragen bei den infrage kommenden Versicherern gelten.

  3. Angaben aufbereiten

    Den relevanten Sachverhalt verständlich und vollständig für die Risikoprüfung zusammenstellen.

  4. Anonyme Risikovoranfrage stellen

    Die aufbereiteten Angaben ausgewählten Versicherern zunächst ohne formellen BU-Antrag zur Einschätzung vorlegen.

  5. Rückmeldungen vergleichen

    Annahme, Zuschläge, Ausschlüsse, Zurückstellungen oder Ablehnungen gegenüberstellen.

  6. BU-Vertrag auswählen

    Erst danach Tarif, Bedingungen, Beitrag und die konkrete Annahmeentscheidung gemeinsam bewerten.

Versicherbarkeit zuerst klären. Den passenden BU-Vertrag danach auswählen.

Du hast Vorerkrankungen und möchtest wissen, wie du bei deiner BU sinnvoll vorgehst?

Im kostenfreien Erstgespräch bespreche ich mit dir deine Ausgangssituation und die sinnvollen nächsten Schritte. Dabei klären wir auch, ob eine anonyme Risikovoranfrage für dich sinnvoll sein kann.

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Philipp Gaspar

ILLUSTRATIVE BEISPIELE

Drei Beispiele: Warum der genaue Sachverhalt entscheidet

Keine realen Beratungsfälle. Aus den Beispielen lässt sich keine konkrete Annahmeentscheidung eines Versicherers ableiten.

PSYCHE

Psychotherapie vor vier Jahren

Anlass, Dauer, Behandlung, Verlauf und heutiger Zustand können relevant sein. Entscheidend ist zusätzlich der genaue Wortlaut der Gesundheitsfragen.

MEDIKAMENTE

Drei Wochen Medikamente

Zeitraum, Verschreibungspflicht, Einnahmedauer, Häufigkeit und ausdrücklich genannte Ausnahmen können entscheidend sein.

RÜCKEN / BESCHWERDEN

Rückenschmerzen ohne Diagnose

Auch Beschwerden ohne Diagnose können anzugeben sein, wenn das konkrete Fragewerk danach fragt.

Nicht die Diagnose allein entscheidet. Entscheidend ist, was konkret gefragt wird und welcher Sachverhalt tatsächlich vorliegt.

DIAGNOSE-HUB

Gesundheitsthemen gezielt vertiefen

Du möchtest wissen, worauf es bei einer bestimmten Vorerkrankung in der BU ankommt? Hier findest du vertiefende Ratgeber zu einzelnen Gesundheitsthemen.

← Zur Übersicht: Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärztinnen und Ärzte

Mein Weg bis zum Antrag in acht Schritten

Von der Aufbereitung deiner Gesundheitshistorie bis zum Antrag gehe ich mit dir Schritt für Schritt vor.

  1. Gesundheitshistorie erfassen

  2. Unklare Sachverhalte klären

  3. Gesundheitsfragen prüfen

  4. Risikovoranfrage – wenn sinnvoll

  5. Leistungsunterschiede vergleichen

  6. Konkrete Angebote vergleichen

  7. Gemeinsam entscheiden

  8. Antrag stellen

Erst die Versicherbarkeit klären, dann Leistungen und konkrete Angebote vergleichen – und erst danach den Antrag stellen.

Häufige Fragen

Du möchtest deine BU trotz Vorerkrankungen sinnvoll angehen?

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Philipp Gaspar, BU-Experte für Heilberufe